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04.03.2011

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Ausprobiert: Zeitung lesen auf dem iPad

Ausprobiert: Zeitung lesen auf dem iPad
Nicht nur zum Spielen, Abspielen von Multimedia-Dateien und zum Surfen im Internet eignet sich das iPad von Apple. Auch das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften wird auf dem Tablet-PC immer beliebter. Während viele Apps der Verlage noch in den Kinderschuhen stecken, bringen immer mehr Verlage speziell auf das iPad abgestimmte Blätter heraus.

Seit das Apple iPad Ende Mai 2010 auf dem deutschen Markt kam, haben große Verlage vermehrt Interesse gezeigt, eine digitale Version ihrer Print-Magazine und -Zeitungen auf dem neuen Tablet-PC zu veröffentlichen. Um möglichst schnell das neue technik-affine Publikum zu erreichen, wurden überstürzt zahlreiche Apps im AppStore eingereicht, die sich kaum von den Originalen unterschieden.


iKiosk: PDF-Format und hohe Preise



So stellte der Axel Springer Verlag seinen iPad-Lesern beispielsweise mit dem "iKiosk" eine App zur Verfügung, die zahlreiche Blätter wie die Bild, Welt oder die Berliner Zeitung im PDF-Format auf den Tablet-PC bringt. Seit über einem halben Jahr beschweren sich zahlreiche Nutzer, dass der Verlag keinen Mehrwert biete und zudem noch überhöhte Preise verlange, die kaum Vergünstigungen im Vergleich zu der physischen Zeitung bringe. Zu allem Überfluss sperrt Springer noch den Zugriff auf Bild online über den Tablet-Browser.

Dass es Springer auch besser machen kann, zeigt die eigens für das iPad entwickelte App "The Iconist", die als Magazin für Stil, Kultur und Gesellschaft mit vielen multimedialen Funktionen glänzt. Und spätestens die bislang nur in den USA verfügbare iPad-Zeitung "The Daily" zeigt, dass der Trend eindeutig zu günstigen, aber dennoch speziell auf die Möglichkeiten des Tablet-PCs entwickelte Applikationen geht.

The Daily: Multimedia und soziale Netzwerke im Vormarsch



So bietet "The Daily" eine stattliche Anzahl von Artikeln, die jeden Morgen frisch aus dem Netz geladen werden und mit zahlreichen Animationen, Videos und Audiobeispielen aufgefrischt sind. Selbst vorlesen lassen kann sich der Anwender die einzelnen Beiträge. Zudem integriert das Magazin aus dem Hause News Corp. soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, interessante Artikel weiter zu empfehlen.

Die Zeitung gibt es bislang nur im amerikanischen AppStore. Die App selbst ist dabei kostenlos und bietet derzeit noch eine kostenlose Testphase. Zum Start der digitalen Zeitung führte Apple ein neues Bezahlmodell für Abonnements ein, dessen Rechtmäßigkeit insbesondere unter deutschen Verlagen derzeit heiß diskutiert wird. Die Abo-Preise für "The Daily" zwischen einem US-Dollar pro Woche und knapp 40 Dollar für zwei Jahre.

Stern: Multimediales Schwergewicht



Auch einige deutsche Verleger sind dazu übergegangen, multimediale und interaktive Inhalte in ihre iPad-Zeitung zu stecken. Besonders gelungen ist es dem Stern: Gruner+Jahr hat sich um eine sehr übersichtliche Navigation bemüht und legt den großformatigen Bildern und zusammen gestellten Texten einige Videos bei. Auch können über einige interaktive Elemente zusätzliche Informationen angezeigt werden.

Um ein Magazin anzuzeigen, muss der Anwender dieses jedoch erst einmal herunterladen und installieren. Bei einer Größe von 350 Megabyte und mehr kann das Herunterladen bei einer mittelmäßigen WLAN-Verbindung etwas länger dauern. Mehrere Ausgaben können zudem schnell den Speicher des iPads füllen. Die App ist kostenlos, eine Einzelausgabe ist für 2,99 Euro erhältlich.

Focus: Aufgearbeitetes Online-Magazin



Der Focus hingegen setzt auf eine besonders schlanke App. Die Inhalte werden direkt aus der Online-Ausgabe des Focus ausgelesen und in der iPad-App aufgearbeitet. Videos werden als Stream abgerufen, um eine Belastung des Speichers zu vermeiden. Dafür kann es jedoch auch einmal vorkommen, dass einige Fotos nicht geladen werden.

Die Bedienung der Zeitung ist intuitiv gestaltet: Der Leser kann entweder die Bedienelemente der Inhalts-Seite verwenden oder über ein Ausklappmenü alle Artikel der einzelnen Themen direkt abrufen. Eilige können sogar eine Suchfunktion verwenden, die nach Eingabe eines Suchbegriffs die entsprechenden Artikel anzeigt. Ganz fair bietet die Tomorrow Focus AG die App zum Nulltarif an.

Zinio: Internationale Presse auf dem iPad



Zinio ist eigentlich ein Webportal, das Print-Magazine und Bücher aufarbeitet und digital bereitstellt. Doch auch eine iPad-App gibt es bereits seit längerem. Über den integrierten Shop können Nutzer aus dem großen Angebot eine Ausgabe auswählen und sie über PayPal oder eine Kreditkarte erwerben. Dabei steht insbesondere die internationale Presse zur Verfügung, doch auch einige deutsche Magazine wie etwa die PC-Welt, GEO oder der Focus haben bereits das Angebot für sich entdeckt.

Der Anwender kann sowohl Einzelausgaben als auch verschiedene Abonnements abschließen. Die Preise liegen leicht unter denen der Druckausgaben - manche englischsprachige Magazine sind jedoch auch sehr günstig zu bekommen. Zwar ähneln die Ausgaben eher PDF-Dateien, wurden aber nachträglich mit Links zur Navigation und zu Webadressen ausgestattet. Derzeit kündigt Zinio außerdem eine Android-App zu ihrem Angebot an.

Fazit: Großer Schritt in die richtige Richtung



Auch wenn es einige Verlage noch nicht verstanden haben, ihre Print-Ausgaben für ihre Leser auf dem iPad schmackhaft zu machen, sind doch viele schon auf dem richtigen Weg. Die ersten Magazine nutzen inzwischen die Vorzüge des mobilen Geräts aus, um ihre Leser an ihr Angebot zu binden. Das neue Abonnement-System von Apple könnte die Bindung noch erhöhen.

Jedoch müssten sich dazu insbesondere die deutschen Verlage mit dem Konzern einigen, um die derzeitigen Streitigkeiten um die Abonnements zu beseitigen. Nachdem viele Verlage bereits vor Jahren den Einstieg in die digitale Welt gut bewältigt haben, sind einige bereits dem Einstieg in die mobile Welt gewachsen.

Links zu den Apps bei iTunes:

iKiosk
The Iconist HD
Stern eMagazine
Focus Online HD
Zinio Magazine
The Daily (am. Store)

Mirko Schubert