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29.03.2001

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CCC: Hacker beschuldigen Siemens der Zensur

CCC: Hacker beschuldigen Siemens der Zensur
"Herr Siemens, Ihr Filter stinkt!", mit diesen harschen Worten kritisierte der Chaos Computer Club den firmeninternen Umgang mit Internet-Filtersoftware.

Der Chaos Computer Club (CCC) würdigte "die besonderen Verdienste, die die Firma Siemens mit ihrer Software "Smartfilter" um die Internet-Zensur und Kommunikationsverhinderung erworben hat." Zu diesem Zweck überreichte der CCC dem Konzern ausgerechnet auf der weltgrößten Computermesse den Chaos CeBIT Award in Hannover.

Bei der von Siemens entwickelten und hausintern eingesetzten Software "Smartfilter" handelt es sich um eine redaktionell gepflegte Datenbank, in der Internet-Adressen kategorisiert und nach Belieben gesperrt werden können. So ist beispielsweise die Hausseite der Hacker unter "Criminal Skills" gelistet und damit für alle Rechner, auf denen die Filtersoftware eingesetzt wird, unerreichbar. Besonders besorgniserregend fanden die Hacker jedoch, dass etliche Internet-Angebote von Gewerkschaften für Siemens-Mitarbeiter unzugänglich seien, während keine einzige Webseite von Arbeitgeberverbänden im Filter hängen blieben.

Der CCC ist der Ansicht, dass ein gefiltertes Internet dem Grundrecht auf freie Kommunikation widerspricht. Filtersoftware sorge lediglich für die Illusion einer machbaren Zensur und die Gängelung der Benutzer, da über die Verwendung von Proxies die Filter umgangen werden könnten. "Hier wird versucht, ein soziales Problem mit technischen Mitteln zu lösen. Wer so handelt, zeigt, dass er weder die Funktionsweisen der Technik noch der Gesellschaft begriffen hat", sagte Jens Ohlig, Sprecher des CCC zu der Preisverleihung an Siemens.

Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns zu der Preisverleihung wird es nicht geben. Die Pressestelle erklärte jedoch auf Nachfrage, man reagiere mit "sportlichem Ehrgeiz" auf die Aktion des CCCs. Der Einsatz von Filtersoftware in Unternehmen sei ein ganz normaler Vorgang und man könne die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Außerdem sperre Siemens nur den Zugriff auf Webseiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten. Den Vorwurf, Siemens sperre den Zugriff auf Gewerkschaftsseiten, wollte man sich ebenfalls nicht gefallen lassen: die Seite der IG-Metall beispielsweise, sei durchaus zu erreichen.

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