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05.03.2004

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Marktforschung: Digitalkamera im Handy nur Verkaufsköder

Marktforschung: Digitalkamera im Handy nur Verkaufsköder
Die praktischen kleinen Foto-Handys sind der Verkaufsschlager des Jahres. Wie die Berliner Marktforscher von Metrinomics herausgefunden haben, geben immerhin 40% der Käufer an, dass ihr nächstes Handy eine Digitalkamera haben soll. Erst nach dem Kauf stellt der Kunde ernüchtert fest, dass das begehrte Feature nicht hält, was die Werbung verspricht.

Brillante und witzige Schnappschüsse aus dem Handgelenk geschossen – dafür sollten die Foto-Handys gut sein. Leider klappt das – wenn überhaupt – nur unter ausgesprochen optimalen Bedingungen. Da überrascht es nicht, dass durchschnittlich 45% der Verbraucher mit den Miniatur-Fotoapparat im Handy unzufrieden sind. Vor allem die Männer sind enttäuscht. Bei 49% der männlichen Foto-Handy-Besitzer hat die Kamera den Praxistest nicht bestanden, 38% der Frauen sind unzufrieden. Damit wird die integrierte Digitalkamera in der Qualitätsbewertung unter allen Handy-Features auf einen der letzten Plätze verwiesen.

Dabei ist die integrierte Kamera wohl nicht allein Schuld an dem Desaster. Augenscheinlich ist das Display oft einfach nicht in der Lage, das Ergebnis der fotografischen Bemühungen auch in leuchtenden Farben und hoher Schärfe abzubilden. Diesen Schluss lässt zumindest ein direkter Zusammenhang von schlechter Display-Bewertung und der Unzufriedenheit mit der Digicam zu.

Aber nicht alle Foto-Handys sind unbrauchbar. Erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern zeigen, dass es nicht unmöglich ist, die Gratwanderung zwischen Miniaturkamera und einem zufriedenstellenden Foto zu meistern. Von einem Sharp-Foto-Handy mit gerade mal 31% zufriedenen Nutzern ist abzuraten. Überraschungssieger im Ranking: Sagem Handys, sonst in vieler Hinsicht mit ausgesprochenen Mankos, hat bei ihrer integrierten Digitalkamera kombiniert mit einem großem Display offensichtlich alles richtig gemacht: Die Franzosen erlangen mit 91% zufriedenen und sehr zufriedenen Handy-Fotografen mit Abstand den ersten Platz im Ranking der Hersteller.

Während von vielen Kunden die integrierte Digitalkamera als akzeptable Schwäche hingenommen wird, sind die Kunden von Sharp und Samsung an dieser Stelle weniger tolerant. Für sie wäre eine untaugliche Kamera ein Grund, der Marke zukünftig den Rücken zu kehren. Dieser Trend wird sich vermutlich noch verstärken. Denn UMTS kommt, und mit UMTS die Möglichkeit, erstmals wirklich komfortabel Bilder zu verschicken. Die Fotofunktion im Mobiltelefon ist also im Aufwind und die Hersteller damit in Zugzwang.

Hans Jürgen Schmolke, Geschäftsführer von Metrinomics: "Die Foto-Handys sind oft nicht nur größer und schwerer, sondern auch teurer. Der Kunde ist realistisch und erwartet keine hochauflösenden Fotowunder, aber eine funktionstüchtige Kamera sollte schon rausspringen. Wenn jedoch nur verwackelte Bilder in trüben Farben auf dem Display landen, vergeht den Hobbyfotografen natürlich schnell die Lust an den Schnappschüssen und die Enttäuschung ist groß."

Fazit: Die Verbraucher sind in Punkto Digitalkamera verwöhnt. Nicht nur Schärfe, Farbbrillanz, Display-Qualität und eine akzeptable Auflösung werden erwartet, auch Funktionen wie Zoom, Blitz, Nahaufnahmen oder austauschbare Speicherkarten bietet heutzutage fast jede Digicam. Das sind die Maßstäbe, an der sich auch die kleinen Foto-Handys messen lassen müssen. An Selbstverständlichkeiten, wie den Schutz des Objektivs vor Verschmutzung und Kratzern, wurde bei den meisten Handy-Kameras gar nicht gedacht. Den Herstellern sei geraten, bei den Kameras dringend nachzubessern, wenn ihre Käufer das Knipsen mit dem Handy als neues Hobby entdecken sollen.

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