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11.10.2005

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Mobilfunk: Billigmarken sind erst der Anfang

Mobilfunk: Billigmarken sind erst der Anfang
Einer neuen Studie der Unternehmensberatung Solon zufolge wird sich das Nutzungsverhalten der Mobilfunkkunden stark verändern. Fallende Preise und der lange überfällige Markteintritt von Discount-Anbietern führen zur "Selbstverständlichung" von Mobilfunk:

"Ein Mobiltelefon besitzt fast jeder. In der alltäglichen Nutzung hinkt Mobilfunk dem Festnetz aber noch hinterher. Mobiles Telefonieren besitzt hierzulande noch ein Premium-Image", erläutert Philipp Geiger, Telekommunikationsexperte bei Solon. Nun werden die Tarife einfacher, das allgemeine Preisniveau wird sinken und die Anzahl der Anbieter weiter wachsen. "Nach einer gewissen Verzögerung ist mit stark ansteigender Nutzung zu rechnen". Auch seitens der angebotenen Produkte und des Vertriebs erwarten die Experten von Solon Veränderungen. Durch die voranschreitende Marktsättigung wird es für die Anbieter immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. "Wir sehen allerdings noch deutliches Potenzial bei älteren, wie auch bei sehr jungen Menschen", so Geiger. "Zusätzlich werden immer mehr Kunden mehrere SIM-Karten haben, z.B. zusätzlich zum Geschäftstelefon ein Discount-Handy für das Wochenende".

Die Kundensegmente werden daher schärfer geschnitten, um mit zielgerichteten Produkten und Vertriebswegen besser auf einzelne Zielgruppen eingehen zu können. So setzt das "Branded Reseller"-Konzept auf starke Marken zur günstigen Akquisition von Kunden. Zunehmend wird Mobilfunk auch mit anderen Produkten gebündelt. Die Herausforderung für die Mobilfunkanbieter besteht in der Erschließung der verbleibenden Nischen und der Erhöhung des Umsatzes pro Kunde.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Datenverkehr zu. "Das Mobiltelefon entwickelt sich zum multimedialen Schweizer Taschenmesser", ist Geiger überzeugt. Die Verschmelzung von Handy, Kamera und MP3-Player ist hierbei erst der Anfang. Im Zuge dieser Entwicklung wird der Datenverkehr deutlich ansteigen. Die Mobilfunknutzer werden allerdings auch mobil direkt im Internet
surfen und weniger die Portale der Netzbetreiber nutzen. Zudem werden viele Inhalte über andere Infrastrukturen auf das mobile Gerät gelangen, wie z.B. direkt über PC oder WLAN. Die Netzbetreiber profitieren über das ansteigende Datenvolumen. "Ihr Ziel muss daher sein, die Nutzung der Datendienste so einfach wie möglich zu gestalten. Die Betreiber werden auf diese Weise stärker am Wachstum des mobilen Internets partizipieren können, als mit ihren proprietären und für die Nutzer nach wie vor ungewohnten Portalen", erklärt Geiger.

Die heute noch relativ niedrige Mobilfunkpenetration in Deutschland wird langfristig auf weit über 100% anwachsen, wie es in anderen europäischen Ländern schon der Fall ist. "Wir gehen von ca. 100 Mio. aktiven SIM-Karten im Jahre 2010 aus", so Geiger. Die Umsätze aus dem klassischen Voice- und Messaging-Geschäft werden aufgrund stark sinkender Minutenpreise jedoch nur moderat anwachsen. Mit durchschnittlich fast 30% p.a. werden die Datenumsätze hingegen deutlich stärker ansteigen. Der Gesamtumsatz wird von ca. 21 Mrd. EUR im Jahre 2004 auf ca. 28 Mrd. EUR wachsen.