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13.03.2002

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Mobilfunk: Spiele und Erotik sollen Schwung bringen

Mobilfunk: Spiele und Erotik sollen Schwung bringen
Wenn der Kunde nicht mehr kauft, ist es Zeit für etwas Neues. Mit über 56 Millionen Mobilfunknutzern ist der deutsche Markt weitgehend gesättigt. Die Zeiten rasanter Wachstumsraten sind vorbei. Neuen Schwung und kräftige Umsatzzuwächse sollen nun neue Multimediadienste bringen. Zur Computermesse CeBit in Hannover kündigte eine ganze Reihe von Mobilfunkanbietern an, ihre Netze in diesem Frühjahr für bunte Bilder, Musik und Kurzvideos aufzurüsten. Dies bringt nach der bisher nur möglichen Klötzchengrafik nicht nur eine neue Qualität bei den beliebten und für die Anbieter einträglichen Online-Spielen, sondern macht auch erstmals des Weg für den großen Kassenschlager des herkömmlichen Internet frei: Erotik. Als erster Anbieter startet am Samstag E-Plus als Nummer Drei im Markt die europäische Variante des in Japan mit mehr als 30 Millionen Nutzern erfolgreichsten Multimediadienstes i-mode. Wer hier einsteigen will, muss erstmal für die Hardware tief in die Tasche greifen: 249 Euro kostet das bislang einzige i-mode-taugliche Telefon n211 von NEC. Die i-mode-Grundgebühr kostet drei Euro, herkömmliche Informationsdienste wie Nachrichten oder der Wettbericht sind kostenfrei. Wer mehr sehen will, muss pro Abruf 25 Cent bis zwei Euro berappen. Pro e-mail werden 19 Cent kassiert, beigefügte Bilder, Töne und Videos kosten ein Cent je Kilobyte. Ein per i-mode gesendeter dreiminütiger mp3-Hit schröpft die Kasse also um etwa 30 Euro. "Wir wollen 400.000 bis 600.000 neue Nutzer in den nächsten zwölf Monaten für i-mode gewinnen", sagt E-Plus-Geschäftsführer Uwe Bergheim. Das Geschäftsmodell hat das Unternehmen dabei beim i-mode-Lieferanten NTT DoCoMo aus Japan abgekupfert. 15 Prozent der Einnahmen aus den Abo-Diensten sollen bei dem Düsseldorfer Unternehmen verbleiben, das zusäztzlich fürs Inkasso sorgt, 85 Prozent gehen an die Bereitsteller der Inhalte. In Japan haben vor allem freizügige virtuelle Damen für den i-mode-Erfolg gesorgt, die in briefmarkengroßen Miniclips ihre Hüllen fallen lassen. E-Plus wirbt zum Marktstart zunächst mit einer Palette seriöser Anbieter von News- und Brokerdiensten sowie Online-Versandhäusern. Bei Viag Interkom wie bei anderen Anbietern heißt die Zukunft derweil nicht i-mode, sondern Multimedia Messaging Service (MMS). Für die Kunden sind beide Systeme inkompatibel, Multimedia-Mails zwischen beiden Varianten sind deshalb vorerst nicht möglich. Viag-Interkom-Geschäftsführer Rudolf Gröger betont, dies sei "eine Denksportaufgabe, die noch gelöst werden muss". Die geplanten MMS-Tarifstrukturen von Viag Interkom sehen vor, dass entweder Absender oder Empfänger einer Multimedia-Nachricht für das übertragene Datenvolumen zur Kasse gebeten werden. So genannte Premium-Dienste sollen MMS beispielsweise für kostenpflichtige Online-Spiele oder Erotikangebote öffnen. Über konkrete Kosten wollte Viag Interkom, ab Mai unter dem neuen Namen mmO2, keine Angaben machen. Auch Vodafone hat über die MMS-Tarife noch nicht entschieden. Das Unternehmen hofft aber endlich auf einen Schub für den im vergangenen Jahr eingeführten Übertragungsstandard GPRS. Derzeit zählt Vodafone dort 100.000 Nutzer bei knapp 22 Millionen D2-Kunden. Das wundert kaum, denn die Datendienste sind vielen Kunden für das bloße Abrufen von E-Mails und Textdiensten schlicht zu teuer: Mit MMS gewinne GPRS nun "an Attraktivität", sagt Vodafone-D2-Geschäftsführer Jürgen von Kuczkowski. Ob auch bei Vodafone bald Anzügliches über die Displays flimmert, lässt er aber offen.