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20.04.2007

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Tangens: Millionenverlust durch falsche Bonitätsauskünfte

Tangens: Millionenverlust durch falsche Bonitätsauskünfte
Der Potsdamer Mobilfunkprovider Tangens muss aufgrund erheblicher Zahlungsausfälle von Kunden einen wirtschaftlichen Schaden von 2 Millionen Euro verkraften. Bei Tangens macht man dafür die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel verantwortlich. Im Zuge der geplanten Erweiterung des Netzes auf 400 Händler hatte Tangens einen Vertrag mit Bürgel geschlossen, um die Bonität von Neukunden zu überprüfen.

Mittels einer von Bürgel gelieferten Datenbankschnittstelle konnten die Händler direkt vor Ort online den jeweiligen Privat- oder Geschäftskunden überprüfen. Nach einigen Monaten folgte die böse Überraschung: Von über 2600 neuen Mobilfunkkunden waren mehr als 80 Prozent trotz angeblich erfolgter Bonitätsprüfung nicht solvent. Die Auskunftei weist die Vorwürfe zurück. Mittlerweile hat Tangens Strafanzeige gegen Bürgel gestellt und klagt auf Schadenersatz.

2005 betrieb Tangens den Aufbau eines bundesweiten Händlernetzes. Bevor ein Mobilfunkprovider dem Abschluss eines Mobilfunkvertrages über einen der Vertragshändler zustimmt, erfolgt üblicherweise eine Bonitätsprüfung des beauftragenden Kunden über eine Auskunftei. Tangens ließ vor diesem Hintergrund über ein Softwarehaus eine geeignete Wirtschaftsauskunftei ermitteln. Diese sollte technisch in der Lage sein, dem Händler mittels einer Onlineverbindung die Ergebnisse der Bonitätsprüfung mitzuteilen, damit dieser direkt vor Ort entscheiden kann, ob ein Mobilfunkvertrag abgeschlossen wird oder nicht.

Da die Bonität der neuen Kunden offensichtlich nicht mit den von Bürgel gelieferten Ergebnissen und Einschätzungen übereinstimmte, stellte Tangens unverzüglich eigene Recherchen an. Bei einem Vergleich von Kunden, die im automatisierten Verfahren über die Bürgel-Schnittstelle geprüft wurden, mit den webbasierten Datenbanken der Firma Bürgel ergaben sich erhebliche Abweichungen zu den von Bürgel zuvor übermittelten Bonitätseinschätzungen. Auch konnten anhand des Abfrageverfahrens, welches Tangens anfänglich zur Verfügung gestellt wurde, lediglich zwei anstatt der zugesicherten 36 Millionen Datensätze abgerufen werden.

Bürgel weist indes alle Vorwürfe zurück. Angeblich habe Tangens die Schnittstellen-Software fehlerhaft installiert und konnte somit nur auf eine bestimmte Art von Daten zugreifen. Dafür verantwortlich sei das von Tangens beauftragte Systemhaus. Dem widerspricht Tangens-Geschäftsführer Michael Artschwager. Er sieht den Tatbestand des Betruges erfüllt und hat Strafanzeige sowie Klage auf Schadenersatz gegen Bürgel gestellt. Tangens argumentiert, die Anzahl der Datensätze auf die man anfänglich Zugriff hatte, entspräche nicht den getroffenen Vereinbarungen. Außerdem fühlt sich Tangens hinsichtlich Qualität und Interpretation der gelieferten Scorewerte getäuscht, so dass Verträge mit Personen abgeschlossen wurden, deren Bonität einen Vertragsabschluss nicht rechtfertigte. Ein Großteil der geprüften Kunden hatte zum Zeitpunkt der Bürgel-Bonitätsauskunft bei anderen Wirtschaftsauskunfteien bereits harte Negativmerkmale in den Akten.

Artschwager: "Pro Neukunde ist uns ein durchschnittlicher Schaden von 1 000 Euro entstanden, bevor wir die Reißleine ziehen konnten. Das macht zwei Millionen Euro bei einem Jahresumsatz von rund 16 Millionen Euro." Die notwendigen Bonitätsprüfungen holt Tangens inzwischen bei der Schufa ein.