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20.06.2002

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Telekom-Unternehmen sind Informationsmuffel

Telekom-Unternehmen sind Informationsmuffel
Über drei Viertel der Führungskräfte von Unternehmen der Telekommunikationsbranche weltweit sind der Meinung, die Kapitalmärkte würden die Aktien ihrer Firmen unterbewerten.

Dabei sind 24 Prozent der Manager der Ansicht, ihr Informationsverhalten gegenüber den Märkten sei sehr gut für die Vermittlung des realen Unternehmenswertes geeignet. Vergleichsweise wenig Investoren (acht Prozent) teilen diese Meinung. Nur durch ein besseres Informationsverhalten können die Unternehmen einen höheren Aktienkurs, größeres Vertrauen in das Management und besseren Zugang zu neuem Kapital erreichen.

Ein umfassendes Bild über das Informationsverhalten der Telekommunikationsbranche und den Informationsbedarf der Kapitalmärkte zeigt die aktuelle Studie Communicating Value in The Telecommunications Industry von PwC auf. Dazu wurden weltweit Führungskräfte von 37 Telekommunikationsunternehmen sowie 48 institutionelle Investoren und 28 unabhängige Analysten - primär aus den USA und Europa - befragt. "Die Unternehmen der Telekommunikationsbranche müssen verstehen, welche Themen für die Akteure der Kapitalmärkte heute am wichtigsten sind", erläutert Ernst-Wilhelm Frings, Mitglied des Vorstands von PwC. Neun der befragten Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden US-Dollar, bei elf Unternehmen liegt er zwischen einer und zehn Milliarden US-Dollar.

Fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte geben an, aktiv zu kommunizieren und Kontakte zu Anlegern aufzunehmen. Dieser Ansicht stimmt jedoch nur rund jeder zehnte Investor und Analyst zu.

Sehr unterschiedlich ist auch die Bewertung der Informationstiefe: Die Hälfte der Investoren und 71 Prozent der Analysten, aber nur 14 Prozent der Unternehmensvertreter gehen davon aus, dass die Informationen der Unternehmen in der Regel nicht oder kaum über das gesetzlich geforderte Minimum hinaus gehen.

Die Manager der Telekommunikationsunternehmen bestätigen, dass sie nicht alle Informationen, die für die Unternehmensführung relevant sind, aktiv nach außen kommunizieren. So stimmen beispielsweise 72 Prozent der Befragten darin überein, dass Informationen über signifikante Betriebskosten der einzelnen Unternehmenssparten besonders wichtig für die Führung des Unternehmens seien. Aber nur 40 Prozent von ihnen gaben an, diese Informationen auch zu veröffentlichen.

Zur Identifikation von Indikatoren, die für die Unternehmensbewertung durch Firmen und Kapitalmärkte relevant sind, wurde das ValueReporting System von PwC herangezogen. Value Reporting gibt Unternehmen die Möglichkeit, Parameter für eine umfassende Darstellung und Bewertung des Unternehmens zu definieren. Investoren und Analysten haben auf Basis des Modells von PwC 23 wichtige Faktoren wie zum Beispiel Marktentwicklung und -anteile, Kapitalkosten, Umsatz und Gewinn, Kundenloyalität, Forschung und Entwicklung genannt. Aber nur über fünf dieser Indikatoren fühlten sie sich von den Unternehmen angemessen informiert.

Viele finanzielle und darüber hinaus gehende Kennzahlen, die für Investoren und Analysten interessant sind, werden von den Unternehmen nicht als wichtig erachtet und deshalb nicht kommuniziert. So sind beispielsweise Angaben über Marktanteile und Umsatz einzelner Produkte für über 90 Prozent der Investoren und Analysten sehr wichtig. Aber nur 60 Prozent der Führungskräfte der Telekommunikationsunternehmen teilen diese Ansicht.

"Unternehmen und Kapitalmärkte messen einzelnen Indikatoren unterschiedliches Gewicht bei - mit fatalen Folgen", erläutert Ernst-Wilhelm Frings. "Wenn Analysten und Investoren keine ausreichenden Informationen über Kennzahlen erhalten, die für sie wichtig sind, entsteht im Markt eine Unsicherheit, die letztlich zu höherer Volatilität der Aktienkurse führen kann."

Letztendlich - so die Studie - liegt es in den Händen der Unternehmensführung, die Bewertung ihrer Firmen an den Kapitalmärkten zu verbessern. "Das Management der Telekommunikationsunternehmen hat gute Chancen, das Vertrauen der Anleger in ihre Aktien wieder aufzubauen. Voraussetzung ist eine transparentere Darstellung des Unternehmens, die sowohl Pläne zur Beseitigung von Schwachpunkten beinhaltetet als auch den Status starker Unternehmensbereiche aufzeigt", so Ernst-Wilhelm Frings.

 

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